Gesetze für YouTube, Die Du kennen solltest!

Inhaltsübersicht

2020 und noch immer kursieren die Märchen, dass es Anonymität im Netz gäb und das Internet ein rechtsfreier Raum wäre. Für Deutschland und seine Bürokratie mag es ja toll sein, dass heute noch immer Excel in den Schulen gelehrt wird, doch für die jungen Bürger und die Zukunft des Landes ein Armutszeugnis. Daher ist es auch nicht zu verwundern, dass viele, sehr viele als Creator auf den verschiedensten Plattformen im Internet anfangen und schon direkt ein paar Straftaten begehen. Und die Krux an der Geschichte ist, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!

Daher habe ich für Dich, hier eine kleine Zusammenfassung, der Gesetze die für die meisten Creator relevant sind, zusammengestellt. Im Einzelfall können natürlich noch tausende andere Gesetze gelten, Deutschland hat für alles Regeln und Maßstäbe. Wie erwähnt werde ich mich auf die deutschen Gesetze beziehen, dies heißt für Personen aus Österreich oder der Schweiz, diese mögen zwar evtl. mit den bei Euch geltenden Gesetzen sein, doch wie schon im Disclaimer erwähnt, wendet Euch für eine rechtsgültige Beratung an einen Anwalt, der im Medienrecht geschult ist.

Diese 9 Gesetze solltest du kennen

Insgesamt habe ich hier nun 7 Gesetze, die eigentlich jeder Creator kennen sollte und dazu noch 2 die speziell Creator betreffen, die im Realen drehen, die aber auch jeder für den Fall kennen sollte. Und ja, zum großen Teil sind die Gesetze einfach absolut veraltet und eigentlich so nicht fürs Internet geeignet, nicht desto trotz gelten sie. Bei einigen wird es schon in diesem bzw. kommenden Jahren, Änderungen und Anpassungen geben, dies werde ich aber noch dazu schreiben.

Wohl das wichtigste, was Du merken solltest im Bereich YouTube und Gesetze ist, dass es egal ist, was andere auf YouTube machen, Du weißt nicht was dahinter steckt und nur Du alleine bist rechtlich für Dich verantwortlich!

Das Urheberrecht

Dieses dürfte der eine oder andere schon kennen (Artikel 17 ehem. 13 und die Memes), da es Anfang des letzten Jahres im EU-Parlament reformiert wurde, wobei es nun noch ein Jahr dauert bis es in allen Ländern auch so umgesetzt werden muss.

Worum geht es beim Urheberrecht? Ganz einfach, dass der Urheber eben die Rechte an seinen Werken hat, egal ob Bild, Ton oder Text. Und Du als Creator eben nur Material (Bild, Ton und Text) nutzt, woran Du die Rechte hast oder Dir eben eine Nutzungslizenz vom eigentlichen Urheber eingeräumt wurde.

Mythen und Gerüchte

Und nein, es gibt keine Regelung die heißt „Du darfst X Sekunden von X zeigen“, dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Es entstammt den alten Tagen, wo der Algorithmus auf YouTube erst ab X Sekunden auf Material ansprang, und nein dies wäre keine Erlaubnis oder so, dies war lediglich ein Fehler im System. Um es zu verdeutlichen ein materielles Beispiel:

Ob Du nun ein Auto oder ein Autoradio klaust, macht keinen Unterschied in der Tatsache, dass Du eben den Tatbestand des Diebstahls vollziehst.

Und ebenso ist es eben mit Bild, Ton und Text Material, dieses ist als geistiges Eigentum geschützt.

Und nochmals Nein, es gibt kein Fair Use in Deutschland! Ja, YouTube stellt eine Seite mit der Erläuterung zum amerikanischen Fair Use Artikel in der deutschen Sprache zur Verfügung. Dies ist ein Fehler und mehr als nur Fahrlässig. Es gibt dieses Fair Use einfach nicht in Deutschland!!!

Aber ja, Deutschland bietet ein ähnliches Recht, welches sich Zitatrecht nennt. Dieses erlaubt aber nicht das selbige und ist um Ecken komplizierter. Es ist eben nicht wie man aus dem Namen schließen könnte, das recht alles zu „Zitieren“ wie man lustig ist. Zur richtigen Nutzung des Zitatrechts kann ich auch nur wieder auf eine Beratung beim Fachanwalt verweisen.

Und noch ein Nein, es ist keine Werbung, wenn Du als kleiner Creator einfach ganze oder auch nur teile von Filmen oder Liedern ins Netz stellst, für diese Milliarden schweren Firmen und Künstler. Natürlich gilt dies wie alles beim Urheberrecht für alles, ebenso auch für Stream Mitschnitte oder eben Videos anderer Creator.

Lizenzen & Duldungserklärungen

Was es allerdings wirklich gibt, sind Creative Commons Lizenzen und Duldungserklärungen. Creative Common Lizenzen werden von Urhebern genutzt um teils sogar kostenlos Material anderen kreativen zur Verfügung zu stellen. Duldungserklärungen sind allen voran in der Gaming Branche, gang und gäbe, denn auch hier nein, es ist nicht selbstverständlich das man Videos von Spielen einfach so ins Netz stellen darf.

Grundlegend solltest Du Dir merken, dass Du kein Material nutzen solltest, woran Du keine Rechte hast. Falls Du doch Material nutzen willst bzw. weil es Dein Kanalkonzept benötigt musst, solltest Du Dich beim Fachanwalt beraten lassen.

Die Impressumspflicht

Im Grunde muss jeder Creator ein Impressum haben. Lediglich ausgenommen sind Accounts, Seiten die Privat betrieben werden. Nein, dies heißt nicht, weil du deinen Kanal in deiner Freizeit betreibst, dass dies als Privat zählt. Als Privat würden lediglich Kanäle zählen, wo Personen ihre Urlaubsvideos oder andere privaten Videos lagern. Dies gilt natürlich für jegliche Seiten und Social Media Accounts.

Viele haben Angst davor ein Impressum anzulegen, dies ist aber völlig unbegründet. Daher versuchen viele, wenn sie ein Impressum anlegen, mit Postfächern und anderen Mitteln ihre Adresse zu verschleiern. Was aber eben wiederum auch nicht legal ist.

 

Das Internet ist ein öffentlicher und kein gesetzesfreier raum

Was du wissen musst, YouTube, Social Media, das Internet ist die Öffentlichkeit. Dem musst du dir bewusst sein. Wenn du dich verstecken willst, solltest du dich nicht in die Öffentlichkeit stellen wollen. Wenn du kein Impressum anlegen willst, weil du dir denkst, du bekommst Ärger mit anderen, solltest du dir überlegen was du ins Netz stellst. Du stellst dich doch auch nicht auf den Wochenmarkt in deiner Stadt mit einem Megafone und schreist darein „Ihr seid alle H*****söhne und Töchter“.

Natürlich gibt es kranke Menschen, die andere verletzen körperlich und psychisch, sowie Trolle und Hater. Aber eben so gibt es Gesetze, die dich vor denen schützen. Des Weiteren das Leute wirklich jemanden stalken oder belästigen kommt in den seltensten Fällen vor, es gibt Millionen Leute mit Impressum. Solche Geschichten wie die von einem Tanzverbot oder Unge, hängen auch davon ab, was für eine Zielgruppe sie sich ausgesucht haben.

Grundsätzlich solltest du dir ein Impressum anlegen, solange du klein bist, interessiert dies eh keinen Menschen. Solltest du jedoch aus Angst wegen dem Schutz von Familie usw. Bedenken haben, rate ich dir auch hier den Gang zum Fachanwalt.

Die Werbekennzeichnungspflicht

Mittlerweile sieht man es unter fast jedem Video, in der Beschreibung oder gar in einem angepinnten Kommentar, diverse Affilate links. Ebenso wie ganze Kanäle die nichts anderes sind wie die 24/7 Shopingsender im TV. Doch was bei vielen oft falsch gemacht wird, ist eben die Kennzeichnung von Werbung. Dies lag zuletzt auch daran, dass eben jene Angaben der staatlichen Medienanstalten zum Thema Werbekennzeichnungspflicht, in den letzten Jahren mehr wirr als verständlich waren.

Im Januar 2020 gab es nun eine Aktualisierung des Leitfadens mit einer recht überschaubaren Matrix. Wo auch erläutert wird, wo und wie die Werbung zu kennzeichnen ist. Fernab der gesetzlichen Vorlagen, sollte man gerade bei Affilateprogrammen sowie Produkttests die in Kooperation mit den Firmen stattfinden, auch die Vertragsbedingungen beachten. So hat Amazon letztes Jahr erst spezielle Programme und Richtlinien für Influencer und Creator geschaffen.

Die Gewerbemeldepflicht

Das ganze hört sich auf den ersten Blick, größer und schlimmer an als es ist. Viele verbinden dies mit der Gründung einer Firma und kompletter Selbstständigkeit, doch geht es lediglich darum, dass der Staat wissen will wer wie viel und wo Geld hat.


Daher gilt in Deutschland jede selbstständige, planmäßige auf Dauer und Gewinnerbringung abgezielte Tätigkeit als Gewerbe. Es gibt auch Ausnahmen wie Schriftsteller und weitere so genannte Freiberufler. Aber für dich gilt in der Regel die Pflicht ein Gewerbe anzumelden. Dazu kannst du dich auch bei den für dich zuständigen Ämtern informieren ob es nötig ist in deinem Fall.

Persönlichkeitsrechte, Hassrede, Aufrufe zu Straftaten usw.

Hier eine kleine Zusammenfassung einiger Punkte, die eigentlich als Selbstverständlich gelten sollten, die aber eben zur Not auch rechtlich relevant sind. Wie zuvor schon angemerkt, solltet ihr euch auch online, genau so verhalten wie offline und jeden Menschen mit Respekt und Freundlichkeit begegnen.

Ebenso sollte es auch klar sein, dass ihr keinerlei Videos oder Bilder, sowie natürlich persönliche Daten von anderen Personen veröffentlicht. Man sieht es öfters wie Leute Kommentare, Videos von TikTok, Bilder von Insta usw. zeigen und darauf reagieren … doch auch hier gelten natürlich die Rechte der gezeigten Person, ähnlich wie beim Urheberrecht gilt es auch hier sich genau zu informieren.

Und ganz logisch sollte es sein, dass sich dabei zu zeigen wie man Straftaten begeht oder dazu aufruft, Strafrechtliche folgen hat.

Der Jugendschutz & COPPA

Ein ganz aktuelles Thema ist der Jugendschutz. Dies liegt an der COPPA Regelung, aber auch eben an einigen Vorfällen im Jahre 2019. Zum einen nimmt YouTube selbst, den Jugendschutz nun ernster, aber eben auch haben die diversen Jugendschutzbehörden der verschiedenen Länder ein verstärktes Auge darauf geworfen.

Auch hier hilft der gesunde Menschenverstand für den Beginn. So sollte es klar sein, das sämtliche jugendgefährdenden Inhalte von der Plattform fernzuhalten sind, also so was z.B. sexuelle Akte, Gewalttaten usw..

Bei Inhalten wo man sich unsicher ist, sollte man natürlich auch hier wieder einen Fachanwalt zur Beratung aufsuchen. Im späteren Verlauf, wird dies sowieso nötig, da dann ein Jugendschutzbeauftragter benötigt wird ab einer gewissen Größe.

Die Rundfunklizenz

Umstritten, veraltet und schon in Überarbeitung. Es befindet sich zwar schon in der Änderung, aber nicht desto trotz ist es noch gültig. Aktuell ist der Stand noch so, dass eigentlich jeder der einen Stream startet auch verpflichtet ist eine Rundfunklizenz zu besitzen. Dies überprüfen die Behörden aber nicht so streng, denn nur gemeldete Fälle werden überprüft. Und genau da liegt Gefahr, man muss nur einer Person auf den Senkel treten und diese meldet einen dann bei den Medienanstalten.

Drehgenehmigungen

„Einfach mal Filmen im freien, und schöne aufnahmen machen“, so denken viele, doch ist dies fernab des privaten Gebrauchs, nicht so einfach. Denn für die meisten Locations benötigt es eine Drehgenehmigung, diese kann man sich bei Privatgrundstücken beim Besitzer holen. Bei öffentlichen Plätzen kommen verschiedenste Punkte zusammen, wie das der Verkehrsfluss nicht gestört werden sollte, das Recht aufs eigene Bild, die DSGVO uvm.. Hier gilt auch sich Beraten zu lassen bei den Städten und gegeben Falls von einem Anwalt.

Drohnenflug Flugverordnung

Ebenso einfach wird von vielen das Filmen mit Drohnen angesehen, von der Bedienung, wenn man sich mit der Technik auskennt ist dies so, aber rechtlich ist da nicht viel Einfach. Da anfangs viel Schabernack getrieben wurde und eben auch schnell Gesetze hermussten, gibt es hier etliche recht strenge Auflagen die eingehalten werden müssen. So gibt es auch Regulierungen je nach Gewichtsklassen, die dann sagen, wo man fliegen, wann man fliegen darf usw.. Auch hier gilt natürlich sich vorab zu informieren und evtl. sich nochmal von einem Anwalt beraten zu lassen.

Du siehst „einfach mal filmen und hochladen“ ist nicht und dies waren nur 9 Sachen, die allgemein geltend sind. Hinzu kommen noch je nach dem, verschiedenste andere Gesetze. Tue dir selbst einen Gefallen und informiere dich zu mindestens vorab.

Und bitte frag nicht im Internet in Foren, Communitys oder den sozialen Netzwerken nach gesetzlichen Sachen, da kommt das selbe bei raus wie wenn du bei einem Schnupfen nach der Krankheit googlest. Entweder bist du schon tot oder hast den aktuellen Trend Virus. JA, diesen Guide hast du auch aus dem Internet, aber wie ich schon vorab erwähnte, mitten drin es öfteren erwähnte: Lass dich von einem Anwalt der im entsprechenden Rechtsgebiet geschult ist, vor Ort beraten.